Der Patrick und ich, wir haben uns mal was gegönnt.
Dabei haben wir uns rangewagt an ein Fläschchen aus dem Kreis der großen (mittlerweile darf man das ruhig so sagen) Brüder Eguren, genauer gesagt: an ein Weinchen von Marcos Eguren, denn sein Bruder beschäftigt sich weniger mit dem Wein selbst als eher mit der Vermarktung. Das macht er übrigens genauso gut wie Marcos den Wein.
Wir kennen die Egurens von einer ganzen Palette von Weinlinien; viele davon werden wir hier noch kennenlernen, denn fast alles, was die beiden anfassen, gelingt. Angeführt seien hier nur die Sierra Cantabrias, Numanthia (jüngst 98 Parker-Punkte), Termanthia (jüngst 100 Parker-Punkte) u.v.m.
Unser gestriger Kandidat stammt von einem exklusiven kleinen Weingut in der Rioja Alavesa, der Bodegas Señorío de San Vicente. Dieses Weingut ist gleich in mehrerer Hinsicht interessant. Zum einen ist es erst Mitte der 80er Jahre von den Egurens gekauft worden; zum anderen beherbergen die 18 ha Weinberge dort eine autochthone und fast ausgestorbene Rebsorte, die "Tempranillo Peludo". Der Ertrag dort ist auf 22 hl pro ha reduziert, die Ernte findet ausschließlich manuell statt und unterliegt sofort einer äußerst sorgfältigen Qualitätsauslese auf dem Band.
Fermentiert in Eiche und anschließend 20 Monate in ausschließlich neuer französischer und amerikanischer Eiche (80:20) gelagert, gibt es das Tröpfchen seit ein paar Monaten auf unserem Markt; und, es fällt schwer, das nicht vorwegzunehmen: es ist das ein Wein, der uns die Luft genommen hat!
Ist der Tropfen erst im Glas, kommt sofort Freude auf. Herrlich dunkles Kirschrot, gänzlich untypisch für der Crianza unterzogene klassische Tempranillo-Riojaner, mit einem schönen violetten Rand. Die Nase ist nicht weniger beeindruckend, ein wahres Meer an reifen, roten Früchten, einem Hauch von Lakritz und Vanille ...
Der wahre Überraschung aber passiert im Mund.
Der Appetit, der geweckt worden ist, wird nicht enttäuscht, sondern vielfach übertroffen. Von beträchtlicher Stärke und Konzentration und dennoch unglaublich elegant, keineswegs erschlagend. Statur und Auftritt erinnern in Ihrer Noblesse an einen großen Bordeaux, in ihrer konzentrierten Frucht an einen feinen Toro-Wein und in Ihrer Zurückhaltung und typischen Tanninen an einen echten Riojaner. Sehr komplex, nicht angeberhaft und von einfacher Größe
und dennoch echt süffig.
Eine echte Erweiterung unseres Rioja-Horizonts.
Erste Klasse.
Ladenpreis ca. 50 Euro.
Freitag, 30. März 2007
Donnerstag, 18. Januar 2007
Viñas 105 2005
Einer der Basisweine des legendären Weinpopstars Telmo Rodriguez.
Bei Popstars ist, so zeigt die Erfahrung, grundsätzlich erstmal Vorsicht angesagt (aber auch nicht zuviel, sonst wird man ungerecht). Und unter uns gesagt: Die meisten Weine des Genossen lassen meine Augen trocken, Stichwort: LZ, Gazur, Gaba do Xil ...
Immerhin: Seine Verdienste für den spanischen Weinbau insgesamt sind kaum zu bestreiten; auf diese können wir wann anders etwas intensiver eingehen, denn der 105 wird sicher nicht der letzte Wein sein, der hier zur Diskussion stehen wird.
Über das Design der Flasche lässt sich natürlich streiten; Rodriguez hält bei beinahe aller von ihm gemachten Weine ein recht edles Corporate Design. Der 105er fällt da etwas raus, unklar warum, v.a. weil das Design neu ist, d.h. man hätte es anpassen können an die übrigen Flaschen. Sei es drum, hochbezahlte Marketing-Fritzen werden sich schon was dabei gedacht haben. Jedenfalls vermittelt der Wein ein recht modernes Flair. Das setzt sich auch in der Flasche fort.
Die D.O. Cigales ist einer der zahlreichen, in letzter Zeit aufregende und qualitativ sehr überzeugende Weine hervorbringenden Weinregionen Spaniens. Die Königin der spanischen Rotweinreben, die Tempranillo, macht den Hauptanteil des Weines aus; dazu gibt es ein wenig Garnacha aus mindestens 15 Jahre alten Weinstöcken.
Der Wein ist eine (angenehme) Überraschung für Spanien-Trinker.
Die Farbe ist für einen Tempranillo ungewöhnlich dunkel, aber leuchtend und sehr sauber.
In der Nase dominieren junge und frische Fruchtaromen. Das sollte auch nicht weiter verwundern: Ein junger Spanier, der KEIN Fass gesehen hat: HALLELUJAH. Auch mal ne nette Abwechslung, mir kommt das (oft billiger) Holz langsam zu den Ohren raus.
Ist der 105er erst mal am Gaumen, kommt richtig Freude auf. So eine herrliche und unaufdringlich konzentrierte Kirsch- und Beerenfrucht habe ich schon lange nicht mehr in dieser einfachen Ehrlichkeit genießen dürfen. Weit davon entfernt, schlank zu sein, ist der Wein bei aller Frucht dennoch kein wuchtiger Angeber, und auch beim Alkohol hält er sich für spanische Verhältnisse mit 13,5% relativ zurück. Keine Würze, sehr milde Tannine.
Dabei ist das Stöffchen recht bekömmlich. Beim Härtetest gestern nacht habe ich nicht geschwächelt, und auch heute morgen war sehr akzeptabel.
Prima Wein!
Ladenpreis ca. 8,- Euro. Das ist er wert.
Bei Popstars ist, so zeigt die Erfahrung, grundsätzlich erstmal Vorsicht angesagt (aber auch nicht zuviel, sonst wird man ungerecht). Und unter uns gesagt: Die meisten Weine des Genossen lassen meine Augen trocken, Stichwort: LZ, Gazur, Gaba do Xil ...
Immerhin: Seine Verdienste für den spanischen Weinbau insgesamt sind kaum zu bestreiten; auf diese können wir wann anders etwas intensiver eingehen, denn der 105 wird sicher nicht der letzte Wein sein, der hier zur Diskussion stehen wird.
Über das Design der Flasche lässt sich natürlich streiten; Rodriguez hält bei beinahe aller von ihm gemachten Weine ein recht edles Corporate Design. Der 105er fällt da etwas raus, unklar warum, v.a. weil das Design neu ist, d.h. man hätte es anpassen können an die übrigen Flaschen. Sei es drum, hochbezahlte Marketing-Fritzen werden sich schon was dabei gedacht haben. Jedenfalls vermittelt der Wein ein recht modernes Flair. Das setzt sich auch in der Flasche fort.
Die D.O. Cigales ist einer der zahlreichen, in letzter Zeit aufregende und qualitativ sehr überzeugende Weine hervorbringenden Weinregionen Spaniens. Die Königin der spanischen Rotweinreben, die Tempranillo, macht den Hauptanteil des Weines aus; dazu gibt es ein wenig Garnacha aus mindestens 15 Jahre alten Weinstöcken.
Der Wein ist eine (angenehme) Überraschung für Spanien-Trinker.
Die Farbe ist für einen Tempranillo ungewöhnlich dunkel, aber leuchtend und sehr sauber.
In der Nase dominieren junge und frische Fruchtaromen. Das sollte auch nicht weiter verwundern: Ein junger Spanier, der KEIN Fass gesehen hat: HALLELUJAH. Auch mal ne nette Abwechslung, mir kommt das (oft billiger) Holz langsam zu den Ohren raus.
Ist der 105er erst mal am Gaumen, kommt richtig Freude auf. So eine herrliche und unaufdringlich konzentrierte Kirsch- und Beerenfrucht habe ich schon lange nicht mehr in dieser einfachen Ehrlichkeit genießen dürfen. Weit davon entfernt, schlank zu sein, ist der Wein bei aller Frucht dennoch kein wuchtiger Angeber, und auch beim Alkohol hält er sich für spanische Verhältnisse mit 13,5% relativ zurück. Keine Würze, sehr milde Tannine.
Dabei ist das Stöffchen recht bekömmlich. Beim Härtetest gestern nacht habe ich nicht geschwächelt, und auch heute morgen war sehr akzeptabel.
Prima Wein!
Ladenpreis ca. 8,- Euro. Das ist er wert.
Freitag, 5. Januar 2007
Monte Real Crianza 2002
Ok, Bodegas Riojanas, muss ich vorausschicken, stand bei mir mal hoch im Kurs. Stichwort:
Monte Real Reserva 1998 - was für ein Wein! Einer meiner absoluten Favoriten. Wenn Ihr den Wein noch irgendwo bekommt, und das zum vernünftigen Preis, schlagt zu.
Danach hagelte es nur noch Enttäuschungen. Die Krönung des Ganzen war der neue Reserva 2000, in neuem Anzug und mit neuem Charakter - na ja, manche mögen es eben modern, für mich jedenfalls ging der GAR NICHT:
Daher interessehalber dem Crianza zugewandt. Nicht zuletzt auch deswegen, weil es in Spanien einen Riesenhype mit dem Wein gibt. Es gibt kaum ein Restaurant der gehobenen Mittelklasse, wo genau dieser Crianza nicht auf der Karte stünde. Da fragt sich doch der ehrliche Weintrinker: Ist da was dran?
Fazit: Ja, da ist was dran, die Önologen der Bodegas Riojanas haben es nicht verlernt, wenn sie denn nur wollen.
Zunächst: Mit 18 Monaten Fassreifung liegt der Crianza aus Cenicero ein gutes Stück über dem Durchschnitt (6 Monate noch drauflegen und in den meisten anderen Regionen hast'e fast schon fast 'nen "Gran Reserva" ...). Farbe, für einen Tempranillo mit dieser Reife typisches Rot mit leichtem ziegelroten Einschlag. In der Nase dunkle Beeren und schöne, aber dezente Würze. Und endlich, am Gaumen spürbares, aber dezent-edles Holz (vielleicht einen Tick zu scharf) - sehr schön eingebundene Säure. Sehr angenehm: Die weit verbreitete Unsitte, Weine zu "vanillisieren", findet hier keine Anwendung.
Leichte Würze, langes Finale. Insgesamt eine gute Mischung aus Eleganz und Süffigkeit - ist ja auch nicht unwichtig; wer mag schon eine ganze Flasche eines respekteinflößenden Weins einfach mal so wegschütten? Ein Wein für jeden Tag und für besondere Anlässe, das gibt einen Extra-Punkt.
Preis im Handel, ca. 10-12 Euro.
8 von 10 Punkten.
Monte Real Reserva 1998 - was für ein Wein! Einer meiner absoluten Favoriten. Wenn Ihr den Wein noch irgendwo bekommt, und das zum vernünftigen Preis, schlagt zu.
Danach hagelte es nur noch Enttäuschungen. Die Krönung des Ganzen war der neue Reserva 2000, in neuem Anzug und mit neuem Charakter - na ja, manche mögen es eben modern, für mich jedenfalls ging der GAR NICHT:
Daher interessehalber dem Crianza zugewandt. Nicht zuletzt auch deswegen, weil es in Spanien einen Riesenhype mit dem Wein gibt. Es gibt kaum ein Restaurant der gehobenen Mittelklasse, wo genau dieser Crianza nicht auf der Karte stünde. Da fragt sich doch der ehrliche Weintrinker: Ist da was dran?
Fazit: Ja, da ist was dran, die Önologen der Bodegas Riojanas haben es nicht verlernt, wenn sie denn nur wollen.
Zunächst: Mit 18 Monaten Fassreifung liegt der Crianza aus Cenicero ein gutes Stück über dem Durchschnitt (6 Monate noch drauflegen und in den meisten anderen Regionen hast'e fast schon fast 'nen "Gran Reserva" ...). Farbe, für einen Tempranillo mit dieser Reife typisches Rot mit leichtem ziegelroten Einschlag. In der Nase dunkle Beeren und schöne, aber dezente Würze. Und endlich, am Gaumen spürbares, aber dezent-edles Holz (vielleicht einen Tick zu scharf) - sehr schön eingebundene Säure. Sehr angenehm: Die weit verbreitete Unsitte, Weine zu "vanillisieren", findet hier keine Anwendung.
Leichte Würze, langes Finale. Insgesamt eine gute Mischung aus Eleganz und Süffigkeit - ist ja auch nicht unwichtig; wer mag schon eine ganze Flasche eines respekteinflößenden Weins einfach mal so wegschütten? Ein Wein für jeden Tag und für besondere Anlässe, das gibt einen Extra-Punkt.
Preis im Handel, ca. 10-12 Euro.
8 von 10 Punkten.
Dienstag, 2. Januar 2007
Herzlich willkommen!
Ok, es gibt bereits eine Menge Weinblogs, und die meisten davon sind auch nicht gerade überlaufen ... Nichtsdestrotz ist es, denken wir, Zeit, dem spanischen Wein einen eigenen Blog für den deutschsprachigen Raum zuteil werden zu lassen!
Dabei soll es sowohl Verkostungsnotizen, Weinneuigkeiten, Produzentenporträts, Reiseberichte zu Bodegas usw. geben. Dabei sind wir natürlich auf Mitarbeit angewiesen, denn - wie die meisten anderen Blogger auch - wir haben nebenbei noch einen Job zu erledigen, Müll runterzubringen etc. pp. Wenn wir auf rege Anteilnahme hoffen, schließt das natürlich ein, dass wir uns auch gerne inhaltlich auf Wünsche einstellen.
Vorschläge sind daher herzlich willkommen, wenn sie konstruktiv sind ...!
Wir trinken jeden Tag Wein, und zwar - abgesehen von dem durch nichts zu übertreffenden Riesling - fast nur spanischen. Zugegebenermaßen: berufsbedingt (wir sind im Großhandel tätig). Nichtsdestotrotz: Wir trinken bzw.: degustieren eine ganze Menge, und gerne lassen wir Euch an unseren Eindrücken teilhaben und freuen uns genauso auf andere Meinungen, Korrekturen und Zustimmung. Schließlich sind wir auch nur Laien, und keine Sommeliers.
Das Wichtigste für uns am Wein ist und bleibt: Er soll schmecken! Wer das noch in eigenen Worten begründen kann, gibt anderen sicher eine Entscheidungshilfe.
Also: Fangen wir mal so an: Demnächst erscheinen hier, nach Herkunftsgebieten oder Preis geordnet, die ersten Verkostungsnotizen.
Wenn wir mit Neuigkeiten aus dem spanischen Weinleben konfrontiert werden, lassen wir Euch das ebenso wissen.
Bis dann, und viel Spaß für alle!
Dabei soll es sowohl Verkostungsnotizen, Weinneuigkeiten, Produzentenporträts, Reiseberichte zu Bodegas usw. geben. Dabei sind wir natürlich auf Mitarbeit angewiesen, denn - wie die meisten anderen Blogger auch - wir haben nebenbei noch einen Job zu erledigen, Müll runterzubringen etc. pp. Wenn wir auf rege Anteilnahme hoffen, schließt das natürlich ein, dass wir uns auch gerne inhaltlich auf Wünsche einstellen.
Vorschläge sind daher herzlich willkommen, wenn sie konstruktiv sind ...!
Wir trinken jeden Tag Wein, und zwar - abgesehen von dem durch nichts zu übertreffenden Riesling - fast nur spanischen. Zugegebenermaßen: berufsbedingt (wir sind im Großhandel tätig). Nichtsdestotrotz: Wir trinken bzw.: degustieren eine ganze Menge, und gerne lassen wir Euch an unseren Eindrücken teilhaben und freuen uns genauso auf andere Meinungen, Korrekturen und Zustimmung. Schließlich sind wir auch nur Laien, und keine Sommeliers.
Das Wichtigste für uns am Wein ist und bleibt: Er soll schmecken! Wer das noch in eigenen Worten begründen kann, gibt anderen sicher eine Entscheidungshilfe.
Also: Fangen wir mal so an: Demnächst erscheinen hier, nach Herkunftsgebieten oder Preis geordnet, die ersten Verkostungsnotizen.
Wenn wir mit Neuigkeiten aus dem spanischen Weinleben konfrontiert werden, lassen wir Euch das ebenso wissen.
Bis dann, und viel Spaß für alle!
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